Die Sprache des Paisley

Sie haben es tausendmal gesehen: den geschwungenen Tropfen mit der gebogenen Spitze, der sich über Seide und Wolle vervielfacht. Wir nennen es Paisley. Den größten Teil seines Lebens hörte es auf einen anderen Namen.

Boteh: der Samen des Ganzen

Im alten Persien war das Motiv das boteh — „Strauch“ oder „Busch“ — ein stilisierter Zweig, der für Leben, Fülle und Ewigkeit stand. Manche lesen darin eine im Wind gebogene Zypresse, andere einen Samen, eine Mango, eine Flamme. Woher es auch stammt: Es ist eines der ältesten dekorativen Motive, die noch täglich in Gebrauch sind, mit Wurzeln, die mehr als zweitausend Jahre zurückreichen.

Vom Mogulhof nach Kaschmir

Unter dem Mogulreich erlebte das Motiv seine Blüte und wurde vor allem in die berühmten Schals von Kaschmir gewebt — aus der flaumigen Wolle von Himalaya-Ziegen gesponnen und in ganz Asien begehrt. Als die Ostindien-Kompanie diese Schals im 18. Jahrhundert nach Europa brachte, lösten sie eine Sensation aus; Kaiserin Joséphine soll sie dutzendweise besessen haben.

Ein östliches Zeichen für Ewigkeit, benannt nach einer schottischen Weberstadt.

Wie daraus „Paisley“ wurde

Die Nachfrage überholte das Angebot, also begannen europäische Webereien, den Entwurf zu kopieren. Am ausdauerndsten tat es die Stadt Paisley in Schottland — in den 1850er-Jahren warfen dort rund 6.000 Weber das Muster auf Jacquard-Webstühlen aus. Die Stadt gab dem Motiv den englischen Namen, den es bis heute trägt, während das Zeichen selbst zutiefst östlich blieb.

Mehrere unserer Seidentücher — Brigitte, Sarah und Amelia — tragen das boteh in genau diesem Geist: ein wanderndes Motiv, jahrhundertetief, am Hals getragen. Die Kollektion entdecken →